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Neu und anders sind keine Musterbeispiele
Erschienen in: Internet World Business, 06.02.2012
Vier Fragen an Jan Schuhfuß, Leitung Webshops und Social Commerce bei spot-media, zum Thema "Was macht Webshops besonders?"
Welcher Webshop ist Ihrer Meinung nach ein Musterbeispiel für einen anders denkenden Shop und warum?
“Neu” oder “anders” sind für mich keine Musterbeispiele. Amazon ist keins von beidem, aber seit langem ein Musterbeispiel, und zwar weil alle Optimierungen radikal nutzerorientiert sind. Dieses Ziel führt auch neuere Shops wie Zalando zum Erfolg. Zalando ist deshalb so spannend, weil sie die Geschichte des Versandhandels nochmal komplett im Internet nachvollziehen: Anfangen mit einer Produktsparte, wenn dort erfolgreich, dann angrenzende Produktgruppen hinzunehmen. Würde mich nicht wundern, wenn sie in ein, zwei Jahren auch Weiße Ware verkaufen.
Ein Negativbeispiel?
Letztendlich kann das jeder Shop selbst an seinem Umsatz ablesen. Auch wenn es doof klingen mag: Wenn ein Shop nicht gut läuft, dann ist daran was falsch. Schlimm wird es, wenn die Shopbetreiber es nicht wahrhaben wollen, nicht analysieren wollen und auch nicht handeln. Negativ ist es natürlich immer, wenn ein Shop nervt: Check-outs sind kompliziert, Produkte nicht klar sortiert, Empfehlungen langweilig oder absurd.
Was sind Ihrer Meinung nach die Erfolgsfaktoren für einen Online-Shop mit Wiedererkennungswert?
Größter Erfolgsfaktor ist die Bereitschaft der Betreiber, immer weiter zu lernen und zu optimieren. Auf Tracking, Analysen und Bewertungen wirklich zu hören und die Kundenwünsche auch umzusetzen, das ist entscheidend. Otto ist da ein gutes Beispiel, weil sie sehr viel in Test and Learn investieren und so immer wieder neue E-Commerce-Konzepte ausprobieren, um erfolgreiche Strategien zu erkennen. Die Learnings aus Projekten wie Yalook oder refashion sind sicherlich sehr interessant und könnten sich in zukünftigen Webshops als Erfolgsfaktoren erweisen. Außerdem ist die Shop-Plattform selbst ja heute nicht mehr allein entscheidend für erfolgreiches E-Commerce im Web. Social Commerce und Mobile Commerce sind in vielen Branchen mittlerweile genauso wichtig.
Auf was sollten Shopbetreiber bei Konzeption und Design von Webshops besonders achten, wenn sie anders sein wollen?
Um anders zu sein muss man vor allem offen sein. Beliebte Fehler werden immer wieder beim “Best Practice” gemacht, eben dem Musterbeispiel. Amazon ist ja eins davon. Sollten wir uns deshalb viel von Amazon abgucken? Ja. Sollten wir es alle wie Amazon machen? Nein. Die Gefahr des “Anders-sein-wollen” ist dann eher Verwirrung auf Nutzerseite, weil Usability-Gewohnheiten einfach ignoriert werden. Oder erfolgreiche Shop-Konzepte auf Produkte übertragen werden, zu denen sie nicht passen. Die überzeugenden Faktoren für einen Kauf sind doch ganz andere. Wenn ich zum Beispiel Schuhe, einen Song, eine Bio-Kiste oder ein Auto im Internet bestellen will. Es ist in jedem Fall entscheidend, die Zielgruppen sehr gut zu kennen und ihnen zuzuhören. Wer recherchiert, analysiert, befragt und aus den Ergebnissen radikal handelt, erhält meistens hinterher ein Shop-Konzept, an dem vieles “anders” oder “neu” ist, aber vieles auch alt, nämlich die Dinge, die wir an bewährten Shops lieben.